Feuchtigkeit im Altbau: Ursachen erkennen und senken
Feuchtigkeit im Altbau ist selten ein isoliertes Problem. Wer Schimmel an der Außenwand sieht, sucht die Ursache oft an der falschen Stelle. Dabei entscheidet die Kombination aus Bauphysik, Nutzung und Wetterlage darüber, ob sich Wasser in der Konstruktion sammelt oder wieder abtrocknet. Alte Gebäude haben keine durchgehende Dampfsperre, keine hinterlüftete Fassade und häufig auch keine funktionierende Horizontalsperre. Wasser sucht sich deshalb Wege, die bei Neubauten längst verschlossen sind.
Wände zeigen Feuchtigkeit auf zwei Arten. Kapillar aufsteigende Nässe hinterlässt eine waagerechte Grenze, meist einen halben bis einen Meter über dem Boden. Sie stammt aus dem Erdreich, wenn die Sperrschicht fehlt oder unterbrochen ist. Schlagregen und Kondensation hinterlassen dagegen großflächige, oft wolkenartige Flecken, die nach Regenphasen stärker werden. Beide Formen erfordern unterschiedliche Sanierung. Wer die Ursache verwechselt, dämmt nass und verschlimmert das Problem. Ein Blick auf den Verlauf der Feuchte über das Jahr hilft bei der Einordnung mehr als jedes Messgerät allein.
Fenster sind die zweite große Baustelle. Alte Holzkastenfenster mit Einfachverglasung haben eine warme Innenlaibung, an der sich kaum Kondensat bildet. Nach dem Austausch gegen dichte Isolierglasfenster kühlt die Laibung aus, und Wasser schlägt sich dort nieder, wo vorher Luft zirkulierte. Wer dann einen Luftentfeuchter ohne Fehlkauf einsetzen will, sollte zuerst die Raumluftfeuchte über mehrere Tage messen und die Ursache der Kondensation klären, statt blind ein Gerät aufzustellen. Erst wenn feststeht, ob Lüften, Dämmen oder Entfeuchten die richtige Antwort ist, lässt sich die Technik sinnvoll dimensionieren.
Im Keller trifft meist alles zusammen: kalte Wände, wenig Lüftung, hohe Grundfeuchte. Salzausblühungen an der Innenseite deuten auf aufsteigende Feuchte hin, Schimmel in den Raumecken auf Kondensation. Entscheidend ist, den Keller nicht dauerhaft zu lüften, wenn die Außenluft wärmer ist als die Kellerwand. In solchen Momenten bringt Lüften mehr Wasser herein als hinaus. Sinnvoller ist es, gezielt in den kühleren Morgenstunden zu lüften und die restliche Feuchte kontrolliert zu entziehen. Wer Ursachen sauber trennt, senkt die Feuchte dauerhaft und vermeidet teure Fehlinvestitionen.