Mit dem Kahn durch die Fließe: Wasserwandern im Spreewald
Das Biosphärenreservat Spreewald liegt rund hundert Kilometer südöstlich von Berlin und ist eines der ältesten Biosphärenreservate Deutschlands. Sein Kernstück ist ein weit verzweigtes Netz aus Fließen, also schmalen, künstlich angelegten Wasserläufen, die sich durch Wiesen, Erlenbruchwälder und kleine Dörfer ziehen. Wer hier mit dem Kahn unterwegs ist, bewegt sich auf einem System, das seit Jahrhunderten von Menschen geformt wurde und heute unter strengem Schutz steht. Die Fließgeschwindigkeit ist gering, die Wassertiefe meist knapp einen Meter – ideale Bedingungen für ruhiges Paddeln oder Staken.
Wer die Region zum ersten Mal besucht, unterschätzt leicht die Größe des Reviers. Über tausend Kilometer Wasserwege durchziehen das Gebiet, doch nur ein Teil davon ist für den öffentlichen Bootsverkehr freigegeben. Kartenmaterial und aktuelle Hinweise zu Sperrungen sind deshalb Pflicht. Einen brauchbaren Überblick über die wichtigsten Routen, Einstiegsstellen und Naturschutzregeln bietet die Seite spreewald-live.de mit ihren Hinweisen zum Spreewald, die auch für Einsteiger verständlich aufbereitet sind. Wer sich daran hält, vermeidet Konflikte mit dem Naturschutz und mit den Berufsfischern, die auf bestimmten Fließen Vorrang haben.
Die klassische Route führt von Lübbenau aus in Richtung Lehde und Leipe. Dort reihen sich Kahnanlegestellen, kleine Höfe und Gaststätten aneinander, in denen Gurken, Meerrettich und deftige Hausmannskost serviert werden. Wer selbst paddeln will, mietet ein Kajak oder einen Kanadier; wer es gemütlicher mag, nimmt an einer geführten Kahnfahrt teil. Die Bootsführer erzählen dabei von sorbischen Traditionen, vom Gurkenanbau und davon, wie sich die Wasserwege im Laufe der Jahrhunderte verändert haben. Besonders ruhig ist es am frühen Morgen, wenn der Nebel noch über den Fließen steht und nur das Plätschern der Paddel zu hören ist.
Praktisch bedeutet Wasserwandern im Spreewald: festes Schuhwerk für die Umtragestellen, Insektenschutz für die Abendstunden und Respekt vor den empfindlichen Uferzonen. Wer übernachtet, findet Quartiere in Lübbenau, Burg oder im kleinen Lehde. Die Anreise mit der Bahn ist unkompliziert, Bootsverleihe liegen meist in Fußnähe zum Bahnhof. Wer die Fließe einmal mit eigener Muskelkraft durchquert hat, versteht, warum dieses Stück Brandenburg seit Jahrzehnten Menschen anzieht – nicht wegen spektakulärer Kulissen, sondern wegen der stillen, eigenwilligen Landschaft, die sich nur vom Wasser aus richtig erschließt.